Fliesentipps

Was man über Fliesen wissen muss

Fliesen unterscheiden sich in Steingut- und Steinzeug- sowie Feinsteinzeugfliesen. Neben den unterschiedlichen Einsatzbereichen sind auch die Rutschfestigkeitsklassen zu beachten. Rutschfeste Fliesen sollten auf Treppen und in Feuchtbereichen verlegt werden...

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Steingut

Je nach Anwendungsbereich und Geschmack können alle Fliesen als Wandfliesen verwendet werden. Im üblichen Sprachgebrauch sind damit meistens Steingutfliesen gemeint.

Es entsteht ein relativ weicher weißer, gelblicher oder auch rötlicher poröser Scherben, der leicht zu bearbeiten und gut dekorierbar ist. Er nimmt mehr als 10% Wasser auf.

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Steinzeug

Steinzeugfliesen und Spaltplatten sind frostsicher, besonders strapazierfähig und von großer Härte. Sie kommen deshalb in erster Linie im Außenbereich zum Einsatz, eignen sich aber auch für die Verlegung im Haus.Steinzeugfliesen wurden bei einer hohen Temperatur (1.100 bis 1.300°C) gebrannt und erhielten eine zusätzliche Beimischung von Feldspaten, die eine dichte Sinterung fast ohne Porenräume im Scherben bewirkt.

 

Steinzeugfliesen können sowohl trocken- als auch stranggepresst werden. Die Wasseraufnahmefähigkeit liegt dadurch bis unter 0,1 Vol-% (Feinsteinzeugfliesen), sodass auch unglasiertes Steinzeug als frostsicher bezeichnet werden kann. Glasuren werden im Einbrandverfahren aufgeschmolzen. Da die hohe Dichte sich auch auf die mechanischen Eigenschaften auswirkt, werden Steinzeugfliesen bevorzugt für die Gestaltung von Bodenbelägen verwendet. Entsprechend breit gefächert ist Formvariabilität, die alle möglichen Sonderformate beinhaltet.

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Feinsteinzeug

Mit der Entwicklung des Schnellbrand-Rollofen-Verfahrens um 1980 in Italien entstand eine neuer Generation von Fliesen: Die Feinsteinzeugfliesen. Durch diese neue Technik, die sowohl für Einbrand- als auch Zweibrand-Verfahren in Frage kommt, wurden die Eigenschaften der klassischen (Grob-)Steinzeugfliesen, die im Tunnelofen gebrannt werden, noch zusätzlich verbessert. Durch die feinere Temperaturjustierung werden die Rohlinge noch effektiver und dichter gesintert, sodass der Scherben praktisch keine offenen Poren mehr besitzt (unglasierte Fliese) bzw. eine noch festere Verbindung zwischen Scherben und Glasur entsteht (glasierte Fliese). Dadurch beträgt das Wasseraufnahmevermögen gerade einmal 0,1% des Gewichts, was eine absolute Frostsicherheit gewährleistet.

Dadurch beträgt das Wasseraufnahmevermögen gerade einmal 0,1% des Gewichts, was eine absolute Frostsicherheit gewährleistet.

Zudem sind diese Fliesen weitgehend unempfindlich gegen Fleckenbildung und lassen sich entsprechend leicht reinigen.

Durch ihren hohen Widerstand gegen mechanische Belastungen auf, sind derartige Fliesen heute Standard für Boden- und Wandbeläge in gewerblichen Bereichen. Da sie durch einen zweiten Brand glasiert bzw. dekoriert werden können bzw. unglasiertes Feinsteinzeug zur optischen Aufwertung oftmals poliert oder geschliffen wird, werden sie auch im privaten Bereich immer beliebter. Als Schnelltest zur Erkennung eignet sich der Spucktest: Zieht der Speichel auf der unglasierten Seite in die Fliese ein, so ist es keine Feinsteinzeugfliese.

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Keramikfliesen

Keramische Bodenbeläge werden auf sehr vielfältigen Wegen hergestellt, der bekannteste Unterschied besteht in der Anzahl ihrer Brennvorgänge: Einbrand- und Doppelbrandverfahren sind heute im Gegensatz zu früher für alle Steingut oder Steinzeugprodukte durchführbar. Welcher Herstellungsprozess sich empfiehlt, hängt im Wesentlichen von der Beanspruchung, dem Kostenrahmen, der Nutzung und dem gewünschten Erscheinungsbild ab.

Keramikfliesen haben viele Vorteile: Sie sind widerstandsfähig, wasserfest und unempfindlich gegen Schmutz, eigenen sich in einem besonderen Maße für stark beanspruchte Flächen in Küche, Flur oder in öffentlichen Bauten und weisen eine schier unendliche Vielfalt von Farben, Mustern, Oberflächen und Strukturen auf. Keramische Fliesen sind angenehm kühl im Sommer, leicht zu reinigen und können gut über Fußbodenheizungen verlegt werden.

Keramische Produkte als Bodenbeläge lassen sich, für einen ersten Überblick, wie folgt unterscheiden: Bodenklinker, Steingutfliese, Steinzeugfliese.

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Bodenklinker

Bei Bodenklinker handelt es sich um grobkeramische Produkte. Sie sind sehr strapazierfähig und weisen eine hohe Witterungsbeständigkeit auf. Bodenklinkerplatten verfügen im Vergleich zu Steinzeugfliesen meist über eine höhere Dicke, da sie häufig in mechanisch hochbelasteten Bereichen eingesetzt werden. Die Dicke der Platten beträgt in der Regel zwischen 15 – 30 Millimeter und ist vom jeweiligen Einsatzzweck abhängig. Dadurch sind die Platten auch in der Lage hohe Punktlasten aufzunehmen, wie sie beispielsweise bei Maschinenfundamenten vorkommen, oder hohen dynamischen Lasten zu trotzen, wie sie z. B. in der Landwirtschaft vorkommen.

Die Herstellung von Bodenklinkerplatten erfolgt im Trockenpressverfahren. Durch entsprechende Ausbildung der Matrizen ist es möglich, Erhebungen zur Verbesserung der Rutschsicherheit oder Schonkanten direkt beim Pressen zu erzeugen. Die Brenntemperatur beträgt ca. 1.000 – 1.100°C. Durch Umwandlung der eisenhaltigen Bestandteile zu Hämatit wird die kräftige Rottönung erzielt. Die Anforderungen an Bodenklinkerplatten sind in DIN 18158 geregelt.

Bodenklinker können sowohl im Innen- als auch im Außenbereich (Pflasterklinker) eingesetzt werden. Aufgrund ihrer guten technischen Gebrauchseigenschaften eignen sie sich für mechanisch und chemisch hochbelastete Bodenbeläge beispielsweise in KFZ-Werkstätten, der Pharma-Industrie und in der Lebensmittelherstellung.

Platten mit Schonkante können im Rüttelverfahren verlegt werden. Darüber hinaus ist selbstverständlich der Einbau von Klinkerplatten auch im gesamten privaten Wohnbereich möglich.

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Terrakottafliesen (Cotto)

Die Terrakottafliese – kurz auch als Cotto bezeichnet – ist eine unglasierte Steingutfliese, die sich durch ihre mit natürlichen erdigen braungelben bis roten Farbvarianten auszeichnet (ital.: terra cotta = gebrannte Erde). Die Herkunft dieses Fliesentyps liegt im Mittelmeerraum, meist in der Toskana und der Regio Emilia. Dort werden sie auch heute noch per Hand geformt, sodass die einzelnen Fliesen ungleichmäßige Maße haben. Der Reiz von Terrakottafliesen liegt darin, dass der Belag mit zunehmendem Alter eine Patina erhält. Möglich wird dies vor allem dadurch, dass die offenporigen Scherben Flüssigkeiten jeder Art gut aufnehmen können.

Böden aus Terracotta sind in naturbelassener Art atmungsaktiv und regulieren die Raumluftfeuchtigkeit auf natürliche Weise. Im Vergleich zu harten, dichten Oberflächen kommt es durch die angeraute Oberfläche zu einer Reduktion der Schallreflexionen, was sich durch eine verringerte Nachhallzeit und somit angenehmes Raumempfinden bemerkbar macht.

Aufgrund der hohen Porosität sind die Fliesen in unbehandeltem Zustand sehr fleckempfindlich. Deshalb ist eine Versiegelung der Oberfläche zu empfehlen.

Cotto Beläge sind bei vielen Architekten und Bauherren aufgrund ihres natürlichen Erscheinungsbildes beliebt. Sie werden meist im Innenbereich als Boden- oder Treppenbelag eingesetzt. Die Verlegung im Außenbereich ist bei den klimatischen Verhältnissen in Deutschland problematisch.Der Hersteller sollte in jedem Falle den entsprechenden Nachweis erbringen, dass seine Produkte für eine derartige Verlegung geeignet sind und dass er entsprechend dem Produkthaftungsgesetz eine Gewährleistung für die Frostbeständigkeit übernimmt.